Lyrik

Unfähig, ehrlich zu sein

Ich habe geweint,
und alle sahen Lachtränen
in meinen Augen,
weil ich nach außen hin lachte.
ich habe geschwiegen,
und alle dachten,
ich habe nichts zu sagen,
während es in mir schrie.
Ich habe geliebt,
aber du konntest es nicht wissen,
da ich dir Belangloses erzählte,
während in mir die Wellen der Liebe
an den Klippen der Angst zerbrachen.

Kristiane Allert Wybranietz

Ausradiert?

Ich habe eben
deine Telefonnummer
aus meinem Notizbuch radiert.
Jetzt suche ich
im Branchenfernsprechbuch
nach jemandem,
der Radiergummis anbietet,
mit denen man
Gefühle ausradieren kann.

Kristiane Allert Wybranietz

Ein Stern
ist nur einer unter vielen,
genau wie Du
einer unter vielen bist.
Aber ein einziger kleiner Stern
kann auch etwas ganz besonderes sein,
genau wie Du für mich!
Wenn ich abends
die Sterne am Himmel betrachte,
dann sehe ich nicht nur
diesen kleinen Stern unter vielen,
sondern auch Dich!!
Der kleine Stern ist weit entfernt,
genau wie Du.
Aber wenn er mich so anstrahlt,
dann seid ihr beide ganz nah,
bei mir!!

Das Herz fragt nicht, ob es lieben soll -
Es macht es

Das Herz fragt nicht, ob es hassen soll -
Es macht es

Das Herz fragt nicht, ob es vor Glück springen soll -
Es macht es

Das Herz fragt nicht, ob es vor Schmerz weinen soll -
Es macht es

Das Herz fragt nicht, ob es vor Sehnsucht schreien soll -
Es macht es

Die Augen fragen nicht, was sie sehen sollen -
wie sie sehen sollen -
Das Herz sagt es ihnen.

Nur nicht

Das Leben wäre
vielleicht einfacher,
wenn ich dich gar nicht getroffen hätte.
Weniger Trauer jedes Mal,
wenn wir uns trennen müssen,
weniger Angst
vor der nächsten
und übernächsten Trennung.
Und auch nicht soviel
von dieser machtlosen Sehnsucht,
wenn du nicht da bist,
die nur das Unmögliche will
und das sofort, im nächsten Augenblick
und die dann, weil es nicht sein kann,
betroffen ist und schwer atmet.
Das Leben
wäre vielleicht einfacher,
wenn ich dich nicht getroffen hätte.
Es wäre nur nicht
mein Leben

Ich stand am Abgrund,
tief,
sprang,
nicht geflogen,
wie ein Stein gefallen.
Am Boden zerschmettert wie Glas.
Da lag ich nun in meinen Scherben.

Du nahmst sie auf,
fügtest sie wieder zusammen,
behutsam,
voller Liebe,
voller Respekt,
hast mich geheilt,
die Risse in mir zusammen gefügt,
manchmal spüre ich sie noch,
wenn ich alleine bin.
All dies ohne etwas zu erwarten.

Ich steh am Abgrund,
tief,
springe,
fliege,
wie ein Vogel.
Wenn ich mir einen Flügel breche
und dem Boden entgegen rase,
hab ich keine Angst!

Denn du bist da und fängst mich auf!

Was es ist

Es ist Unsinn
sagt die Vernunft.
Es ist was es ist
sagt die Liebe.

Es ist Unglück
sagt die Berechnung.
Es ist nichts als Schmerz
sagt die Angst.
Es ist aussichtslos
sagt die Einsicht.
Es ist was es ist
sagt die Liebe.

Es ist lächerlich
sagt der Stolz.
Es ist leichtsinnig
sagt die Vorsicht.
Es ist unmöglich
sagt die Erfahrung.
Es ist was es ist
sagt die Liebe.

Wir wollten uns nicht wieder loslassen
als wir uns umarmten
und doch lösten wir
unsere Hände
unsere Lippen
voneinander
Aber das heißt ja noch lange nicht losgelassen.

Freunde sind wie Sterne
man sieht sie nicht immer
aber man weiß dass sie da sind.

Wenn wir unsere Körper verhüllen,
damit wir nicht frieren,
kann ich das verstehen.
Warum aber verhüllen wir unsere Gefühle?
Auch wenn wir spüren,
dass es dadurch kälter wird?

Schwächen
Du hattest keine
Ich hatte eine:
Ich liebte

Bertolt Brecht

Liebesbrief

Ich möchte dich lieben, ohne dich einzuengen,
dich wertschätzen, ohne dich zu bewerten,
dich ernst nehmen, ohne dich auf etwas festzulegen,
zu dir kommen, ohne mich dir aufzudrängen,
dich einladen, ohne Forderungen an dich zu stellen,
dir etwas schenken,
ohne Erwartungen daran zu knüpfen,
von dir Abschied nehmen,
ohne Wesentliches versäumt zu haben,
dir meine Gefühle mitteilen,
ohne dich für sie verantwortlich zu machen,
dich informieren, ohne dich zu belehren,
dir helfen, ohne dich zu beleidigen,
mich um dich kümmern, ohne dich verändern zu wollen,
mich an dir freuen, so wie du bist.

Wenn ich von dir das gleiche bekommen kann,
dann können wir uns wirklich begegnen
und uns gegenseitig bereichern

Ohne dich

Nicht nichts
ohne dich
aber nicht dasselbe

Nicht nichts
ohne dich
aber vielleicht weniger

Nicht nichts
aber weniger
und weniger

Vielleicht nicht nichts
ohne dich
aber nicht viel mehr
ohne dich
aber nicht dasselbe

Nicht nichts
ohne dich
aber vielleicht weniger

Nicht nichts
aber weniger
und weniger

Vielleicht nicht nichts
ohne dich
aber nicht viel mehr

Wünsche

Mit Dir, Hand in Hand gehen, in Deine schönen Augen sehen.
Mit Dir zusammen lachen, und Pläne für die Zukunft machen.
Zärtlich Deinen Körper spüren, ausgedehnte Gespräche führen.
Dich trösten, wenn Du traurig bist,
und hoffen, daß es nie zuende geht.

Ich hab Dich lieb

Ich hab Dich lieb!
Warum?
Das weiß ich nicht.
Denn wenn ich´s wüßt,
liebt ich nicht.
In jedem Grund liegt schon
ein Stück Verdacht.
Du hast mich selig.
ohne Grund gemacht.

Deine Hand

Ich habe Deine Hand,
um sie zu halten,
wenn Du alleine bist.
Um sie zu streicheln,
wenn Du Zärtlichkeit suchst.
Um sie zu wärmen,
wenn Du frierst.
Um Dir aufzuhelfen,
wenn Du gefallen bist.
Um dich zu führen,
wenn Du den Weg suchst.
Um Dich zu beschützen,
wenn Du Hilfe brauchst.
Um bei Dir zu sein,
wenn Du meine Nähe suchst.
Um Dich zu stärken,
wenn Du schwach bist.
Um Dir zu zeigen,
daß ich stets für Dich da bin.
Um Dir wortlos zu sagen:
Ich liebe Dich.

Mignon

Nur wer die Sehnsucht kennt,
Weiß, was ich leide!
Allein und abgetrennt
Von aller Freude,
Seh' ich ans Firmament
Nach jener Seite.
Ach, der mich liebt und kennt,
Ist in der Weite.
Es schwindelt mir, es brennt
Mein Eingeweide.
Nur wer die Sehnsucht kennt,
Weiß, was ich leide!

Goethe

Anfangs warst du ein Stern,
einer von vielen an meinem Himmelszelt.
Inzwischen bist du ein Mond geworden
mit einer unglaublich großen Anziehungskraft.

Manchmal verstellt wohl die Angst unseren Weg.
Die Angst,
gebunden zu sein, ein fremdes Geschick zu berühren oder gar zu tragen.
Die Angst,
immer mit demselben Menschen aufzuwachen und einzuschlafen,
am Tisch zu sitzen und das Heim zu bewohnen.
Die Angst,
sich selbst zu verlieren und die kleine Freiheit.
Stehen wir so unsicher auf den Beinen, wir heutigen,
dass wir so furchtsam festhalten an uns selbst?
So wollen wir die Kunst lernen
zu lieben,
und doch nicht zu besitzen.
Zu führen,
und doch nicht zu herrschen.
Sich hinzugeben,
ohne zu gehorchen.
Zu bergen,
und doch nicht zu verschlingen.
Nahe zu sein,
und doch nicht festzuhalten.
Sich zu binden,
ohne Freiheit zu nehmen.


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